Nord-Süd-Trail Tag 10

Steilhänge und ein Revolver-Schuss an der Küste

Heute klingelt zur Abwechslung mal nicht der Wecker. Wir schlafen heute aus. Also wachen wir um 7 Uhr in unserem Cube auf. Quer durch das Zimmer ist eine Wäscheleine gespannt, auf der unsere Sachen trocknen, die wir gestern noch gewaschen haben. Überall liegt unser Kram verteilt, damit er ‚lüften‘ kann.

Den heutigen Tag wollen wir ganz entspannt angehen und die Zeit in dem Cube bis zum Schluss ausnutzen. Also heißt es erst Aufbruch um 11 Uhr.

Wir frühstücken gemütlich auf unserer mini Terrasse vor dem Cube, es kommen sogar die ersten Sonnenstrahlen raus. Ab heute soll das Wetter wieder richtig gut werden und laut Vorhersage soll es so auch bis zu unserem voraussichtlichen Ende der Wanderung bleiben. Das sind ja mal gute Neuigkeiten! Ich fühle mich auch sehr erholt. Ich hab zwar noch immer Ringe unter den Augen, aber die sind nicht mehr ganz so dunkel wir zuvor.

Ich habe es bis jetzt noch nicht geschafft, gut im Zelt zu schlafen. Ab etwa 1:30 Uhr nachts werde ich wach, da mir der Rücken so schmerzt, dass ich beim Umdrehen davon aufwache. Daran muss ich definitiv arbeiten. Ab heute werde ich jeden Abend und Morgen eine Plank machen. Das habe ich mir zumindest so vorgenommen. Wenn ich den PCT nächstes Jahr schaffen will, dann muss ich definitiv an meinem Rücken arbeiten. Ich habe die Übungen in letzter Zeit gar nicht mehr gemacht. Guter Schlaf ist unfassbar wichtig, damit ich mich von den Strapazen des Tages erholen kann.

Die heutige Etappe führt uns wieder entlang der Steilküste. Die Ostsee zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Auch wenn ein frischer Wind weht, ist der sogar eher angenehm, da die Sonne mittags schon brütend heiß auf uns nieder brennt. Der Abschnitt heute zählt auf jeden Fall zu den schönsten bisher. Wenn er nicht sogar der beste überhaupt ist. Wobei das auch nicht so schwer ist, bedenkt man, dass wir – bis auf den sylter Abschnitt – fast ausschließlich an Straßen entlang marschiert sind.

an der Klippen über der Ostsee bei Schwedeneck

An einem Punkt der Strecke müssen wir richtig vorsichtig sein, da hier rechts ein Zaun steht und links geht’s gute 20 Meter senkrecht runter. Es ist gerade so viel Platz, dass man durchpasst, allerdings müssen wir uns an einer Stelle etwas quer zum Weg drehen, da wir sonst mit der Isomatte am Zaun hängen bleiben und dadurch aus dem Gleichgewicht gebracht werden könnten.

Nur wenig Platz für Fehler

Der heutige Tag ist wirklich zu großen Teilen spektakulär. Kurz vor dem Leuchtturm Bülk schrecken wir durch einen lauten Knall zusammen. Das klang wie ein Schuss. Als wir kurz darauf aus dem Waldstück treten, sehen wir, wie ein Jäger grade seinen Revolver wieder einpackt. Am Strand liegt etwas lebloses, dass wir eine Robbe aussieht. Der Jäger spricht noch mit den Leuten, die ihn anscheinend benachrichtigt hatten. Mir kommen die Tränen. Vermutlich ist es besser so für das Tier, aber dennoch nimmt mich die ganze Situation unheimlich mit.

Die Situation drückt bei mir etwas die ausgelassene Stimmung.

Und auch sonst ist der restliche Teil des Tages eher Mittelmaß. Wir laufen an der Küste entlang, wo auch viele Radfahrer und Touristen unterwegs sind. Es ist regelrecht wuselig. Die Luft riecht unangenehm nach verdorbenem Fisch, abgestandenem Meer und Seetang. Es ist heiß. So langsam kommen auch die Schmerzen wieder, nachdem wir einige Kilometer auf dem harten Boden unterwegs sind. In Schilksee gehen wir noch mal einkaufen und kurz darauf erreichen wir den Campingplatz Kiel-Falckenstein. Wir schlafen diese Nacht in getrennten Zelten. Das machen wir so oft wie möglich. Das Zwei-Personenzelt von Henning ist wirklich sehr knapp bemessen für zwei. Man wird dadurch schon sehr häufig wach, alleine weil der andere sich im Schlaf umdreht. Zudem schnarcht Henning (ich manchmal auch) und so hat jeder in seinem eignen Zelt mehr Ruhe, um sich zu erholen.

Unser Camp für diese Nacht

Wir lernen ein Pärchen kennen, dass mit dem Fahrrad unterwegs ist. Sie fahren genau in die entgegengesetzte Richtung. Nach einem kleinen Plausch über die Ausrüstung und die Vorzüge des Reisens mit Rad oder zu Fuß, isst jeder zu Abend und dann geht’s auch schon wieder ins Bett. Ich machen vor dem Schlafen aber noch meine Übung für den Rücken. Das hab ich mir ja ganz fest vorgenommen.

Gewanderte km: 23

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