Nord-Süd-Trail Tag 12

300 km, Hitze, gefährliche Straßen und andere Wanderer

Nach einer kalten und klammen Nacht, klingelt wieder der Wecker sehr früh. Da wir ja direkt unter bzw. neben einem Hochsitz gezeltet haben, wollen wir schnell hier verschwinden. Geschlafen habe ich nicht besonders gut, für meinen Geschmack war die Nacht viel zu kurz. Frühstück ist ebenfalls auf später verschoben – erst einmal warm laufen.

Direkt zu Beginn sehen wir auf der gegenüberliegenden Wiese einige Rehe frühstücken und auch wir haben nach wenigen Kilometern unter einer Brücke eine trockene Bank zum Frühstücken gefunden.

Rehe beim Frühstück

Anschließend laufen wir durch Preetz und können unsere Vorräte im örtlichen Edeka auffüllen. Hinter Preetz wandern wir noch durch Wald und über Felder im Wechsel, bis wir an eine Straße gelangen. Diese Straße wäre hier bei uns zu Hause allenfalls eine Behelfsstraße zwischen zwei Dörfern, hier allerdings donnern Müllabfuhr, LKWs und viel zu breite Traktore und nervöse Autofahrer, die es alle unfassbar eilig zu haben scheinen an uns vorbei. Wir hoffen, dass es sich hierbei nur um ein kurzes Stück handelt.

Vorhin konnten wir am Horizont etwas erkennen, was wie ein anderer Weitwanderer aussah. Das motiviert uns, schnellen Schrittes voranzukommen. Das und die vielen Autos und LKWs…

road-walk

An einer Kreuzung ist eine kleine Bank im Schatten eines Baumes, an der wir beschließen uns noch eine kleine Pause zu gönnen. Wir haben nämlich die Befürchtung, dass es noch einige Zeit so weiter geht.

Nach weiteren Kilometern an einer der abknickenden Straßen ohne Fußweg, beschließen wir an einem kleinem Stück Wiese direkt am Straßenrand unseren Kram auszubreiten, um diesen zu trocknen. Zelt und Schlafsäcke sind mal wieder ziemlich feucht durch die taunasse letzte Nacht.

Schließlich haben wir aber bei all den Strapazen entlang der Straße bei wieder einmal ziemlich warmen Temperaturen noch etwas zu feiern! 300 km auf dem NST – die Hälfte ist für uns schon geschafft! Wahnsinn.

300 km auf dem NST

Und trotzdem wird die Feierlaune wieder gedrückt, als wir nach einem kurzen Abschnitt über einen Singletrail wieder an die Straße zurückgeführt werden. Schließlich überqueren wir eine Bundesstraße und hinter Neutramm wandern wir weiter über asphaltierte Feldwege. Es ist mal wieder Zeit für den Sonnenschrim. Die Hitze ist durch den reflektierenden Asphalt nahezu unerträglich.

Sonnenschirm Zeit

Am Trammer See kurz vor Plön legen wir eine weitere Pause im Schatten ein. Unten am See können wir jemanden mit einem großen Rucksack ausmachen. Ist das der Wanderer von eben? Wir sind beide zu lauffaul, um das jetzt herauszufinden. Vielleicht sehen wir uns ja noch mal wieder, wer weiß.

Am Ortseingang von Plön stürmen wir die Tankstelle, da wir kein Wasser mehr haben. Wir sind uns noch nicht so sicher, wo wir heute landen, also werden wir gleich in der Innenstadt noch vernünftig einkaufen gehen. Und ich möchte ein Eis. Ich möchte unbedingt ein Eis essen gehen.

Hinter der Tankstelle geht es steil eine Nebenstraße rauf, wir finden eine weitere Bank im Schatten und nutzen diese auch gleich, um eine kurze Pause zu machen.

Kurz nachdem wir weiter laufen, muss Henning kurz im Gebüsch verschwinden, ich gehe einige Schritte voraus und suche auf dem Handy nach der nächsten Eisdiele, als ich Henning sprechen höre. Als ich mich umdrehe, bemerke ich, dass er sich mit jemandem in unserem Alter (?) unterhält. Wow, für das kleine Persönchen ist der Rucksack geradezu riesig. Theresa ist auf ihrer ersten Wanderung. Wieder Wow! Und dann direkt alleine…

Wir quatschen ein wenig und als wir in der Innenstadt ankommen, biegen wir ab, um einzukaufen und Eisessen zu gehen, Theresa führt ihren Weg über den E1 fort und zeltet diese Nacht auf einem Campingplatz in der Nähe.

Beim Eisessen wird mir klar, dass wir jetzt schon fast 30 km unterwegs sind und der Ort, an den wir eigentlich geplant hatten zu laufen, noch sehr weit entfernt ist. Also überprüfe ich, ob wir noch andere Optionen haben und entdecke einen Campingplatz nicht weit von unserem aktuellen Standort. Campingplatz Gut Ruhleben. Der sieht sehr gemütlich und gepflegt aus. Henning ruft dort kurzerhand an, die Frau am Telefon ist mega nett, wir sind nämlich definitiv nach ihrer Öffnungszeit erst am Campingplatz. Aber wir sollen einfach kurz anrufen, wenn wir da sind, dann würde sie uns alles fertig machen.

Ich bin so froh, dass wir nun ein definiertes Ziel haben, ich bin echt k.o. Naja das ist ja eigentlich nichts neues, aber es ist wirklich so anstrengend für mich, da ich mich nachts nicht so gut erhole, wie ich müsste, da ich noch immer nicht vernünftig schlafen kann. Also gibt es auch heute wieder getrennte Zelte.

Auf dem Campingplatz treffen wir auch Theresa wieder und haben noch länger Gelegenheit zu quatschen. Auch Kim – den Dänen – lernen wir kennen. Theresa hatte ihn schon heute morgen getroffen. Wahnsinn. Da sieht man hier die ganze Zeit nicht einen einzigen Wanderer und dann direkt 2 am selben Tag. Henning und Kim vertiefen sich in ein Gespräch über Ausrüstung. Theresa fragt mich nach ein paar Tipps, wie man denn leichter und mit weniger Dingen voran kommt. Ich erzähle noch davon, dass ich heute meine Kappe verloren habe, was mich sehr ärgert und um ehrlich zu sein auch zum heulen gebracht hat. Jetzt habe ich Kopfschmerzen durch zu viel Sonne und Hitze. Da holt Theresa aus ihrem großen Rucksack ein Schlauchtuch. Sie schenkt es mir, weil sie eh zwei Stück dabei hat und sogar irgendwo noch ein drittes. Ich bin mega happy darüber und auch hier fällt mir wieder die Weitwanderer-Philosophie „the trail provides“ – „der Weg versorgt dich“ ein. Das hat sich bei uns schon mehr als einmal bewahrheitet.

Nach den ausgiebigen Gesprächen verzieht sich jeder an oder in sein Zelt. Wir machen uns noch Abendessen und wir werden erst morgen früh duschen gehen. Das ist uns jetzt doch etwas zu spät geworden.

Was für ein Tag.

Schöner Sonnenuntergang

Gewanderte km: 33,7

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