Mein neues Zelt

Nach langem Überlegen, habe ich mich schlussendlich dazu entschieden, dass jeder mit seinem eigenen Zelt wandern geht. Ursprünglich war ich komplett gegen diesen Gedanken, den Henning schon früher geäußert hat. Ich hatte einfach total Angst, dass er davon wandern könnte, da er doch um einiges schneller laufen kann mit seinen gefühlt doppelt so langen Beinen. Unser gemeinsames Ziel soll der Pacific-Crest-Trail 2021 sein. Da möchte ich nicht irgendwann feststellen, dass er mir davonrennt. Es soll schließlich unsere Erfahrung werden und nicht seine und meine. Wir möchten das gemeinsam erleben.

Zwei individuelle Zelte haben mehrere Vorteile:

  1. Jeder trägt sein eigenes Gewicht von all den Sachen, die er täglich unterwegs braucht.
  2. Jeder ist für seine Ausrüstung verantwortlich (ich bin da glaube ich etwas nachlässiger als Henning und das könnte zum Streit führen).
  3. Jeder hat seinen eigenen Platz.
  4. Der Schlaf ist erholsamer – in dem alten Zweipersonenzelt war es mitunter recht eng, da stupst man sich nachts des öfteren an und der jeweils andere wird geweckt.
  5. Der wohl wichtigste Grund: Man wird stinken! Wandert man mehrere Tage, ohne Möglichkeit sich zu Waschen, kommt man an einen Punkt, an dem man den Partner nicht mehr riechen kann. Es reicht, wenn man mit sich und seinem eigenen Gestank vorlieb nimmt. Zumindest bis in die nächste Stadt 😉

Ich habe mich für ein sehr leichtes, kleines, einwandiges Einpersonenzelt von Z-Packs entschieden. Das Plexamid wiegt nur 475 g und es ist wasserdicht. Nach ein paar Test-Übernachtungen war ich total überzeugt!

Henning hat aktuell den großen Bruder von meinem Zelt. Das Z-Packs Duplex, ein Zweipersonenzelt. Henning braucht mit seiner Größe von 193 cm ein größeres Zelt als ich mit 168 cm. Er kann in dem Duplex quer drin liegen und hat noch genug Platz für seine ganze Ausrüstung. In meinem kleineren Zelt würde er zwar theoretisch der Länge anch hereinpassen, allerdings würde die Fußbox seines Quilts oder sein Kopf immer an die Zeltwand stoßen. Das kann unter Umständen dazu führen, dass bei schlechtem Wetter Regen in das Zelt eindringen kann, oder aber er nimmt bei Kontakt von Schlafsack und Zeltwand Kondensat auf, was den empfindlichen Daunen nicht gefällt.

Ja – wir campen wild. Allerdings befolgen wir 3 goldene Regeln: wir machen nie Feuer, wir hinterlassen keinen Müll und wir sind leise. Denn wir wollen die Natur so nah wie möglich erleben. Dazu gehört es oft, abends an unserem ausgewählten Platz auf einer Bank oder auf einem Sitzkissen bis kurz vor Sonnenuntergang zu warten. Wir bauen die Zelte so spät wie möglich auf und so früh wie möglich wieder ab. Während wir unser Abendessen kochen und essen und wenn wir möglichst leise sind, können wir auf diese Weise viele Tiere beobachten, vor allem Füchse und Rehe. Das sind immer richtige Highlights!

Eines der schönsten Gefühle unterwegs ist, wenn die allerersten Sonnenstrahlen ins Zelt scheinen oder beim Frühstücken die Haut nach einer kühlen Nacht erwärmen. Oder wenn ich morgens von diesem ohrenbetäubenden Zwitschern der Vögel wach werde. Das ist der Wahnsinn. Wie laut es so früh morgens im Walt sein kann. Ein absolutes Highlight war auch der Sternenhimmel in den Alpen. Nie hab ich mich näher am Himmel gefühlt als hier. Leider war ich oft zu erschöpft, um richtige Bilder in der Nacht aufzunehmen. Und so bleibt mir nur die Erinnerung. Nur das Bild rechts habe ich eines Nachts schießen können, als ich mal dringend musste…

Himmel bei Nacht

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