Nord-Süd-Trail Tag 7

Durch knietiefes Wasser

Um 5:30 klingelt unser Wecker und es ist noch relativ dunkel. Also packen wir die Stirnlampen aus und packen unseren Kram zusammen, bevor wir unser Frühstück in Angriff nehmen. Wir müssen uns gut stärken, da wir wieder einen relativ weiten Tag geplant haben.

Frühstück im Halbdunkel

Da das Wetter auch im Laufe des Tages schlechter werden soll und auch für nachts Regen vorher gesagt ist, wollen wir zu einer Schutzhütte gut 35 km von unserem aktuellen Stand wandern. Diese liegt in einem Wald an einem kleinen See.

Unsere Wanderung beginnt an einem großen See, der eine giftgrüne Brühe ans Ufer spült.

Nach einem schönen Stück durch Wald erreichen wir offenes Feld und sehen wieder ein Reh (wir hatten gestern schon mitten am Tag eins aufgescheucht). Es ist noch ganz jung und der Wind steht gut für uns, sodass wir richtig nah heran kommen.

Junges Reh

Nach einer kurzen waldigen Passage erreichen wir erstaunt schon Schleswig. Wir legen einen kurzen Stop an einer Bushaltestelle ein, um im Trockenen einen Snack zu futtern.

Ein kurzer Zwischenstopp im Rewe und Aldi im Anschluss versorgt uns mit neuen Vorräten. Schon bald verlassen wir Schleswig wieder, doch kurzentschlossen gehen wir bei ‚Odins‘ noch auf eine Cola und ein alkoholfreies Flensburger vorbei.

Hier wimmelt es überall nur so vor Touristen, hier befindet sich ein Wikinger Museum und auch alte Wikinger Häuser kann man hier besichtigen.

Wir wandern weiter und kaum sind die Sehenswürdigkeiten hinter uns, versiegen auch die Touristenströme und auch der Regen legt eine Pause ein.

Wir entschließen uns dazu, auf einer schön gelegenen Bank eine Pause zu machen. Diese liegt kurz vor der sogenannten Noor-Brücke. Uns wird erst nach der Pause klar, warum einige Wanderer die an uns vorbei ziehen, auch sogleich wieder zurück kommen.

Unsere Route führt uns über eine enge Stelle zwischen zwei sogenannten Nooren (ein in der Regel von einem größeren Gewässer fast vollständig abgetrennter See). Die beiden Ufer sind durch eine Brücke verbunden, allerdings ist der Weg dorthin schon überschwemmt. Und so stapfen Henning und ich mit Schuhen und Socken durch das teilweise knietiefe Wasser. Es ist zum Glück nicht allzu kalt.

Verbindungsbrücke zwischen zwei Nooren

Insgesamt ist die Landschaft heute schon viel hügeliger als ich es erwartet hätte. Trotzdem gehe ich total beschwingt durch den Tag und die Kilometer purzeln nur so dahin. Um 10 Uhr haben wir bereits über 14 km auf dem Tacho. Nach und nach werden die kleinen Waldabschnitte durch immer mehr Feldwege abgelöst und somit steigt auch wieder der Asphaltanteil gegen Ende der Wanderung. Das merken wir natürlich in den Gelenken. In Brekendorf gehen wir auf dem Friedhof noch einmal unsere Wasservorräte auffüllen und können es kaum noch erwarten, unsere Hütte im Wald zu erreichen. Wir sind mittlerweile ziemlich am Ende, aber noch gut drauf und so erreichen wir nach mehreren Begegnungen mit Rehen im Wald die Hütte. Kurz vor Sonnenuntergang. Wir bauen alles auf und fallen ohne großes Abendessen ins Bett. Die Bänke dieser Schutzhütte wären allerdings auch super dazu geeignet, um hier ohne Zelt zu übernachten. Ich bin allerdings kein Fan von Krabblern und so ist es mit im Zelt viel angenehmer.

Schutzhütte im Wald mit breiten Bänken

Gewanderte km: 38,2

Nord-Süd-Trail Tag 6

Flensburg bis Schutzhütte Jakobsweg

Um 5:30 Uhr klingelt der Wecker im Hotel in Flensburg.

Eigentlich wollte ich den Wecker auf 6:30 Uhr stellen und er sollte uns nur im Notfall wecken, falls wir verschlafen. Habe mich wohl gestern Abend vor lauter Müdigkeit vertippt. Ausgeschlafen sind wir aber trotzdem.

Wir packen alle Sachen zusammen, frühstücken ausgiebig in der kleinen Küche und machen uns fertig für die weitere Reise. Wir bringen das Paket noch zur Packstation, damit wir in 5 bis 6 Tagen in der nächsten Stadt unsere Vorräte wieder auffüllen können. In dem Paket befindet sich auch Waschmittel, Gas und ähnliches, das wir evtl. nicht in jeder Stadt bekommen oder zu weite Wege laufen müssten. So sind wir auf der sicheren Seite.

Der Weg aus Flensburg führt am Bahnhof und durch ein Industriegebiet und ehe wir uns versehen sind die ersten 7 km schon gemeistert und wir aus Flensburg fast raus. Am Campingplatz Jarplund befindet sich direkt ein Edeka, wo wir das nötigste noch einmal frisch kaufen, wie zum Beispiel den Salat, den wir neuerdings gerne in der Mittagspause essen.

Heute führen die Wege tatsächlich nicht mehr so viel über asphaltierte Wege, sondern über Schotterstraßen, Waldwege und sogar den ein oder anderen Single Trail.

Endlich nicht mehr nur an Straßen entlang

Die Mittagspause verbringen wir an einem schönen kleinen See. Tatsächlich passieren wir heute einige Seen, sowohl kleine, als auch größere. Einer ist giftgrün, scheint wohl ‚umgekippt‘ zu sein.

Pause am See nutzen wir direkt zum Trocknen der Zelte

Ich kann nicht wirklich sagen, woran es liegt, aber heute purzeln die Kilometer nur so und das, obwohl mein Rucksack so voll mit Essen und Getränken ist, dass mir anfangs die Beine weh taten. Vielleicht bin ich mittlerweile im Wander Flow oder es ist die Waffel von gestern, die mir Energie geschenkt hat. Jedenfalls haben wir am Ende des Tages die Schutzhütte erreicht, bei der ich gestern noch dachte ‚da komme ich morgen sicher nicht an, die ist viel zu weit weg‘. 31,8 km haben wir bis hierher überwunden. Und außerdem war es für Schleswig-Holstein Verhältnisse sogar noch recht hügelig.

Unser Nachtlager in einer Schutzhütte

Gelaufene km: 31,8

Nord-Süd-Trail Tag 5

Jägerwiese bis Flensburg

Es ist feucht und es ist klamm und wieder werde ich wach, weil Henning sich die Nase putzt. Wir packen schnell alles zusammen und um Punkt 7 Uhr stehen wir fertig da zum Loswandern. Frühstücken wollen wir irgendwann unterwegs, wenn wir hoffentlich eine Bank zum sitzen finden.

Meine Mückenstichen machen mir heute morgen sehr zu schaffen. Es ist nicht das Jucken, sondern an den Füßen füllen sich die Stiche durch das Wandern mit Flüssigkeit und werden zu dicken Blasen. Diese platzen dann irgendwann und dann können sie sich leicht entzünden, Dreck kommt beim Wandern schnell in die Wunde.

Mückenstich, auf den ich heftig reagiere

Nach einem kurzen Stück durch den Wald und an einer wenig befahrenen Straße entlang kommen wir an eine sehr stark befahrene Bundesstraße. LKWs donnern vor uns vorbei und es gibt keinen Seitenstreifen. Also rennen wir bei der erstbesten Gelegenheit auf die gegenüber liegende Seite und werfen uns über die Leitplanke, hinter der wir entlang gehen. Echt abenteuerlich. Fast einen ganzen km wechseln wir zwischen den Straßenseiten hin und her, da mal rechts oder mal links ein frisch gemähtes Feld für uns zum wandern besser geeignet ist. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir endlich den asphaltierten Feldweg, dem wir ab jetzt für eine lange Zeit folgen.

Eine Bank haben wir bisher nicht gefunden, und da unsere Hoffnung auf eine schwindet, setzen wir uns neben einer Kuhwiese auf unsere Sitzpolster in den Schotter.

Der Rest der Strecke verläuft ähnlich, wir erreichen noch einmal die deutsch-dänische Grenze, hier sind Bänke, die wir aber links liegen lassen.

Hinter Ellund machen wir eine weitere Pause, mittlerweile haben wir aber unser gesamtes Essen aufgebraucht. Richtig so, denn heute geht’s ja nach Flensburg. Hierhin haben wir uns von zu Hause aus ein Paket in die Packstation geschickt, in dem sich fertig vorbereitete Müslis und Hauptmahlzeiten befinden, damit sich die Kosten dieses Trips nicht ins unermessliche steigern.

Wir kaufen uns Gaskartuschen, ich kaufe mir eine neue Hose zum Wandern und bin damit mega happy, wir kaufen uns alle nötigen Hygieneprodukte und dann beziehen wir Quartier. Wir holen das Paket in der Packstation mit unseren im Hotel geleerten Rucksäcken ab und auf dem Rückweg gönnen wir uns eine Waffel von Wonder Waffle.

„Hikertrash“ – Hotelzimmer in Flensburg

Dann werden unsere Klamotten in der Waschmaschine gewaschen – purer Luxus, normalerweise machen wir das per Hand im Waschbecken. Anschließend schneide ich Henning die Haare mit der Maschine, die auch in dem Paket war. Danach duschen wir uns und rationieren das Essen für die kommenden Tage, machen eine Planung, wo in etwa wir wann sein werden. Dann essen wir zu Abend und gehen um halb 9 ins Bett.

Morgen geht’s dann weiter. Ich bin gespannt, ob die Strecke auch weiterhin an so vielen Straßen verläuft. Ab jetzt geht es über den Europäischen Fernwanderweg E1. Vielleicht wird es also ein bisschen Wandererfreundlicher.

Gelaufene km: 25, 4
Davon Trail-km: 21,6

Nord-Süd-Trail Tag 4

Vom Jäger beim Wildcampen erwischt

Der Morgen beginnt klamm und ziemlich frisch. Ich könnte noch eine ganze Weile in meinen Quilt gekuschelt hier liegen bleiben, aber als Henning sich die Nase putzt, dringt die kalte Realität in meinen Verstand ein.

Jetzt heißt es aufstehen, zusammen packen, frühstücken und ein neuer Tag beginnt.

See am Trekking-Camp

Nach dem Frühstück und dem ersten Kampf gegen die Mücken brechen wir auf. Zunächst laufen wir über einen asphaltierten Fahrradweg und überqueren die Straße nach einem kurzen Stück in einen Wald. Ein Forstweg führt uns durch das Schwansmoor und später laufen wir wieder entlang einiger Straßen ohne Fußgängerweg. Der Norden ist bisher nicht sonderlich Wandererfreundlich. Wir haben bisher nicht einen einzigen anderen Wanderer getroffen. Auch die Leute scheinen uns teilweise wie Außerirdische wahrzunehmen. Heute zum Beispiel fuhr jemand im Schritttempo an uns vorbei, sodass ich dachte, er wolle in die Einfahrt vor mir einbiegen, aber er betrachtete uns von oben bis unten und fuhr dann weiter.

Entlang einer Bundesstraße mit Radweg

Ein anderer fuhr mit dem Fahrrad an uns vorbei und meinte erstaunt ‚zu Fuß unterwegs?‘ und fragte uns interessiert, was wir machen und wo wir hin wollen und wo wir herkommen und empfahl uns auch gleich das nächste Café. Insgesamt sind die Menschen hier im Norden sehr entspannt und freundlich.

Wir haben kurz vor unserem Nachtlager die 100 km Markierung des Nord-Süd-Trails überquert. Ansonsten ist heute nicht viel erwähnenswertes passiert.

100 km am Abend des 4. Tages auf dem NST

Nachdem wir unsere Zelte auf einem frisch gemähten Acker in der Nähe eines Hochsitzes aufgebaut haben, wollten wir grade zu Abend essen und uns bettfertig machen, als zwei Gestalten, die sich als Jäger entpuppen, auf uns zukommen. Keine Minute zuvor hatte ich zu Henning gesagt, dass vermutlich niemand den weiten Weg über das Feld bis zu uns auf sich nehmen würde. Tja, so kann man sich irren.

Jedenfalls wollen sich die beiden Jäger mal ein Bild von uns machen und was wir hier tun. Nachdem wir ihnen versichern, dass wir keinen Müll hinterlassen und kein Feuer machen werden, wünschen sie uns eine gute Nacht. Hier hätte die Jagt heute für sie sowieso keinen Sinn mehr.

Und so liege ich nun wieder schön in mein Zelt gekuschelt und schaue den Mücken vor der Türe zu, wie sie versuchen, zu mir zu gelangen. Leider waren letzte Nacht oder heute Morgen doch einige erfolgreich…

Heute gewanderte km: 29,1

Nord-Süd-Trail Tag 3

Sch*ißtag mit Happyend

Es gibt so Tage, die sind einfach zum Vergessen…

Um 04:02 Uhr schrill mein Wecker, der mich für die Arbeit wecken soll.
Verdammt! Den habe ich tatsächlich vergessen auszuschalten.
Bis zum „richtigen“ Wecker um 05:30 Uhr kann ich nicht mehr richtig schlafen und bin total gerädert. Dabei hab ich eigentlich wirklich gut geschlafen.

Wir stehen so früh auf, damit wir die Bahn auf’s Festland um 8:54 Uhr nehmen können. Denn heute wird mal wieder gestreikt bei der Bahn und das ist umso blöder, wenn man auf einer Insel gefangen ist.
Da die Bahnen nur alle 2 Stunden fahren, wollen wir so früh wie möglich von der Insel runter, um nicht unnötig viel Zeit zu verplempern.
Mit der Bahnfahrt klappt aber dann auch alles reibungslos. Vorher haben wir noch kurz den Rewe gestürmt, um uns für den Tag mit Teilchen und Snacks einzudecken.
Wir sind nämlich aktuell noch auf kalte Kost angewiesen, da die Gaskartuschen für unsere Kocher in einem Paket liegen, das eigentlich bis nach Flensburg gesendet werden sollte. Dort haben wir für Mittwoch auf Donnerstag ein Zimmer reserviert, um einen halben Tag Pause zu machen. In dem Paket sind fertig portionierte Essen, die Gaskartuschen und Hennings Haarschneidemaschine. Leider liegt das Paket noch in der Postfiliale, in der wir es am Freitag abgegeben hatten.

Heute laufen wir sehr viel an Straßen entlang. An viel und an weniger befahrenen, an welchen mit Radwegen und an welchen ohne Seitenstreifen und ohne Platz für Radfahrer oder Fußgänger. Wir sind also ständig auf der Hut und zu ca. 90 % auf asphaltierten Wegen unterwegs. Nach nur 8 km tun mir schon wieder die Füße weh. Heute ist es auch sehr warm und nicht so bewölkt, wie an den anderen Vormittagen. Wir starten den Versuch, unsere Sonnenschirme zu nutzen, allerdings hat das wenig Zweck bei dem Wind und bei dem ganzen Verkehr.

Wir laufen auch einen kleinen Teil auf der dänischen Seite der Grenze entlang.

Ich bin nach einigen Kilometern auf dem Asphalt ziemlich genervt. Die Stimmung ist aber noch gut.

In Aventoft legen wir eine ausgiebige Pause ein, die mir echt gut tut. Aber leider geht das Spiel nach kurzer Zeit wieder von vorne los. Wir überlegen hin und her, wo wir die Nacht verbringen sollen. Der Treckingplatz, auf dem man vollkommen legal Zelten darf und der super schön sein soll, ist in unseren Augen noch zu nah, dann haben wir noch nicht genug km zurück gelegt. Aber alles, was danach kommt, sieht auf dem Satellitenbild von Google nicht sehr vielversprechend aus. Nur Acker oder bewohnte Flächen. Alles danach ist uns zu weit weg. Also erst mal weiter gehen und gucken wann wir am Treckingplatz ankommen, vielleicht ist es da ja aushaltbar, auch wenn es dann vielleicht noch zu früh am Tag ist.

Nach weiteren Stunden an der Straße liegen meine Nerven so langsam blank. Erschwerend kommt dazu, dass mein Top nicht geeignet ist, um es mit diesem Rucksack zu tragen. Das Meshgewebe vom Rückenpolster scheuert an den Schulterblättern. Und meine Hose rutscht beim Laufen zwischen den Schenkeln hoch. Das hat sie bisher nicht oder nicht so stark gemacht und darum laufe ich mir so langsam auch die Oberschenkel wund.

meine wundgescheuerten Schulterblätter

In Süderlügum decken wir uns im Aldi Nord noch mal mit Essen und Getränken ein und planen es so, dass wir notfalls bis morgen früh mit den Vorräten aushalten. Sogar ein neues Sportshirt finde ich, das ich gegen mein altes tauschen kann. Auch eine Leggins packe ich ein, aber heute ist nun mal nicht mein Tag und so versauen ich sie, als ich versuche die Beine von der Hose zu kürzen. Beim reißen vom Stoff reißt dieser viel zu weit oben ein und ich mache mir damit die Hose unbrauchbar – aaach ist das frustrierend!

Trekking-Camp

Naja, egal. Alles ist vergessen, als wir zu dem wunderschönen Treckingplatz kommen. Einfach ein Traum. Ein See, auf dem mittendrin eine Insel mit Bank und Tisch steht. Man kann über ein Floß dort hin schippern. Platz für Zelte gibt es ohne Ende und legal ist es hier auch. Bänke und Tische sind auch im Überfluss vorhanden. Und da es bereits 18 Uhr ist, beschließen wir, doch hier zu bleiben. Tatsächlich hatte ich schon eine ganze Weile gehofft, dass wir hier übernachten können. Ich bin noch nicht so fit, wie ich es gerne wäre und mir tut auch wieder alles weh. Der Tag war nicht mein liebster, auch wenn der Abend und das Trekkingcamp alles wieder in den Schatten stellt. Bin ich froh, dass das Camp auch Henning zusagt und wir bleiben können!

Trekking-Camp

Wir bauen die Zelte auf – heute schlafen wir in getrennten Zelten – und dann futtern wir erst mal. Jetzt liege ich im Zelt und schaue den Mücken zu, wie sie versuchen an mich und mein Blut heranzukommen.

Gelaufene km: 29,1
Davon Trail-km: 26,6

Nord-Süd-Trail Tag 2

Von Kampen nach Morsum (Sylt)

Die Nacht war recht erholsam, trotzdem tut mir der Rücken morgens etwas weh. Ich muss mich erst wieder an das Schlafen auf der Luftmatratze gewöhnen und den richtigen Härtegrad finden.
Wir frühstücken, machen uns fertig und laufen vom Campingplatz zum Bahnhof Westerland, wo wir mit dem Bus dort hin fahren, wo wir gestern aufgehört haben.


Heute morgen ist es recht bewölkt und ein bisschen windig, aber nicht zu kalt. Zum Wandern genau richtig.
Zuerst kommen wir an einem alten Leuchtturm vorbei, anschließend laufen wir wieder ein Stück am Strand entlang, bevor es über die Roten Klippen von Sylt über sandige Pfade oder Holzstege geht.

Nachdem wir uns für eine Weile vom Meer abwenden und in die Ortschaften der Inseln abdrehen, erkennen wir wieder, dass wir mit all dem Touristentroubel absolut nichts anfangen können. Viel zu voll in den Straßen ist es uns dort. Und so sind wir froh – nach einem kurzen Stopp beim Bäcker – die Dünen mit all den frei laufenden Schafen zu erreichen. Wir haben zwar Gegenwind, aber das stört uns nicht sonderlich. Im Gegensatz zu den Radfahren. Davon sind hier dann nicht mehr so viele unterwegs.
Der Abschnitt hinter Tinnum wird mit der Zeit recht dröge. Es sind im Prinzip Feldwege, mal asphaltiert, mal Schotterwege, und rechts und links sind weit und breit nur Felder zu sehen. Dadurch ziehen sich die letzten 6 km erheblich.

Asphaltierte Feldwege auf Sylt

Zudem fängt meine linke Hüfte an zu schmerzen. Vermutlich, da wir die ganze Zeit zur Rechten den abfallenden Strand haben, was zu einer ungewohnten Belastung führt. Später kommen noch Fußschmerzen dazu und kurz vor Morsum – unserem Tagesziel – gesellen sich zur Vollendung noch Schmerzen im Knie dazu. Ich bin echt verdammt platt, als wir am Bahnhof eintreffen. Jetzt am Anfang sind auch 20 km noch sehr anstrengend für mich, da ich fast untrainiert losgelegt habe.

Die Busse sind leider alle schon weg, der nächste kommt erst in zwei Stunden. Also warten wir eine halbe Stunde auf die Bahn und gehen dann die 2,5 km vom Bahnhof Westerland zum Campingplatz wieder zu Fuß.
Dort kochen wir uns Abendessen und duschen noch, danach schlafen wir begleitet vom Ukulelenklang eines Campingplatzbesuchers ein.

Erschöpft aber glücklich.

Gelaufene km: 27,11
Davon Trail-km: 22,22

Nord-Süd-Trail Tag 1

Vom Nördlichsten Punkt Deutschlands bis Kampen (Sylt)

Um 6:25 startet der Flieger in Düsseldorf und bringt uns in nur 45 Minuten nach Westerland. Kaum haben wir Reisehöhe erreicht, beginnt das Flugzeug auch schon wieder mit dem Sinkflug. Der Kontrast zwischen Düsseldorf und Sylt ist gigantisch. Der sylter Flughafen ist winzig. Es gibt in der Ankuftshalle genau 2 Gepäckbänder. Und dann ist man auch schon wieder draußen auf der andere Seite des Flughafens ist die ‚Abflughalle‘. Die Leute stehen in einer Schlange bis nach draußen an. Insgesamt ist der Flughafen etwa so groß wie zwei Doppelhaushälften.

Flughafen Sylt

Nachdem wir unsere Rucksäcke aus dem Packsack herausgewurschtelt haben, in denen wir sie zur Gepäckaufgabe am Vorabend gebracht hatten, ziehen wir los. Zum Taxistand. Wir wollen ja nicht unnötig viel laufen. Das Taxi bringt uns für 12 € in die Innenstadt von Westerland, wo wir erstmal den Rewe stürmen, um uns mit Getränken und Brötchen und Teilchen für den Tag einzudecken.
Nächste Station – Busbahnhof. Wir wollen an den nördlichsten Punkt der Insel, von der Bushaltestelle im Norden der Insel müssen wir allerdings erst einmal 4 km Fußmarsch auf uns nehmen, bis wir dort ankommen.

Nördlichster Punkt Deutschlands – der Startpunkt des NST

Wir feiern uns natürlich ausgiebig, es schon mal bis hierhin geschafft zu haben und gehen mit den Beinen mal ins Meer. Allerdings ist Baden hier an der Stelle verboten, da es gefährliche Strömungen gibt.
Also auf dem gleichen Weg zurück, wie wir hergekommen sind, durch den tiefen Sand am Strand kommen wir nicht sehr schnell voran. Und es ist heiß und anstrengend. Da kommt die BamBus-Haltestelle mit ihren kühlen Getränken und Strandkörben im Schatten genau richtig. Wir gönnen uns ein alkoholfreies Weizen und dann geht’s weiter durch den Sand.
Am Horizont wird ein Bagger am Strand immer größer. Als wir näher kommen, erkennen wir, dass er ein riesiges Rohr aus dem Meer zieht. Einheimische erklären uns, dass damit der Sand aufgespült wird. „Kostet ein paar Millionen im Jahr, aber sonst gäb’s die Insel nich‘ mehr“.
Uns fällt auf, dass die Leute hier oben mega nett und freundlich sind. In ihrer Begrüßung ‚Moin!‘ schwingt irgendwie immer auch die ehrlich gemeinte Frage „Geht’s dir gut“ mit.
Trotz Anstrengung, Hitze und schmerzenden Gelenken, fühlen wir uns hier so wohl!
Wir beschließen, uns nach 20 km in den Bus zu setzen und eine zusätzliche Nacht auf dem für heute gebuchten Campingplatz zu übernachten. Dann haben wir morgen noch etwa 20 km Sylt auf der Tagesordnung und können Montag früh mit dem Zug aufs Festland überfahren.
Für uns klingt das nach einem schönen, moderaten Start in die Tour.
Der Campingplatz Südhörn ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Wir haben alles was wir brauchen und noch mehr!

Kochen auf dem Campingplatz

Gelaufene km: 19,8
Davon Trail-km: 14,1

Lang ersehntes Update

Ich muss gestehen, ich hab ziemlich geschludert, was die regelmäßigen Posts angeht … und nicht nur das …

Aber nun informiere ich dich über meinen weiteren Verlauf im letzten halben Jahr. – Mir geht es richtig gut! Vor einigen Tagen wurde ich gefragt, wie es meinem Rücken ginge und ich musste tatsächlich erst kurz überlegen, was denn damit sein sollte.

In dem Moment hatte ich vollkommen vergessen, dass ich am 1. Juni 2020 einen Bandscheibenvorfall hatte. Also gerade einmal vor einem halben Jahr. So gut geht es mir wieder. Ich spüre ihn im Alltag so gut wie nie. Nur wenn ich mal sehr lange gestanden habe oder dann doch mal zu schwere Dinge gehoben habe oder lange am Schreibtisch sitze.

Zugegeben – dadurch, dass ich ihn vergessen habe, habe ich auch total mit den Übungen geschlunzt. Das muss ich definitiv ändern. Denn eine gute Rumpfmuskulatur ist unbedingt nötig, um 2022 den PCT wandern zu können – und vielleicht noch mehr …

Kleiner Ausblick auf 2021

Ich habe das Mountainbiken für mich (wieder-) entdeckt. Mir fehlt allerdings noch einiges an Ausrüstung. Deswegen fällt es mir in der aktuell kalten Jahreszeit auch schwer (gerade im Moment schneit es sogar im Flachland), dran zu bleiben. Geplant sind für 2021 trotzdem einige kürzere Wochenend-Bike-Trips und eine lange Bikepacking-Tour!

Im Mai wollen wir eine längere Wanderung von wieder etwa 400+ km anstreben. Wohin es geht ist gerade in der Überlegung und außerdem stecken wir ab jetzt wieder einmal im ‚harten Lockdown‘. Diesen gilt es abzuwarten – ob 2021 auch wieder so ‚reise-unfreundlich‘ wird?

Übrigens: im Dezember habe ich Henning einen Heiratsantrag gemacht 🙂 wir werden dann hoffentlich im Juni heiraten können! Auch das ist ein weiterer Grund für mich, wieder fitter zu werden. Den Winterspeck gilt es abzutrainiert.

Im September möchten wir dann die ‚Bikepacking Trans Germany‚ (BTG) mit dem Fahrrad in Angriff nehmen. Das ist eine Tour die über mehr als 1.600 km und 22.000 Höhenmeter quer durch Deutschland von Basel nach Rügen führt. Bis dahin muss ich mir allerdings noch einiges an ‚Sitzfleisch‘ antrainieren. Den kalten Temperaturen, dem schlechten Wetter und meiner Untrainiertheit ist geschuldet, dass ich aktuell gerade mal 35 km schaffe. Auf der Bikepacking Tour sollten es schon mindestens 80 km und 1.100 hm am Tag sein. Damit wir auch in der Zeit, die uns zur Verfügung steht, ans Ziel kommen.

Ich halte nicht so viel von Neujahrsvorsätzen. Ich habe auch keine. Mein Ziel ist es allerdings, die erste lange Wanderung seit 2 Jahren im Mai und das Bikepacking im Juni zu schaffen – beides Dinge, die mit Sicherheit auch zur Vorbereitung auf den PCT 2022 nicht schlecht sind.

Und ganz nebenbei, werde ich dann vielleicht an meinem Hochzeitstag eine ‚gute Figur machen‘ 😉

Meine persönliche Challenge

Ich bin gerade unterwegs auf einem weiteren Spaziergang. Es ist Montag nach der ersten Wanderung nach dem Bandscheibenvorfall. Naja – wenn man bei knapp 10 km von einer Wanderung sprechen kann.

Jedenfalls habe ich mir auf diesem Spaziergang überlegt, dass ich bis zu meinem Geburtstag jeden Tag 10 km oder mehr spazieren gehen möchte. Zum einen, um meinen Rücken wieder fit zu machen, aber auch, weil ich schwer zugenommen habe. Ich werde diese 10 km je nach Lust und Laune entweder an einem Stück gehen oder aber in mehreren Etappen, so wie es mir in den Kram passt.

Außerdem habe ich meine Ernährung umgestellt. In den letzten Wochen, in denen ich so viel vor dem Fernseher gehockt habe, habe ich ständig aus Langeweile irgendetwas in mich hinein gestopft. Und wer mich kennt weiß, dass ich auch ohne Langeweile mindestens alle zwei bis drei Stunden irgendetwas esse…

Zur Zeit esse ich allerdings statt Schokoriegel dann lieber mal eine Banane oder einen Pfirsich. Statt Brot mit Butter und Käse frühstücke ich jetzt Joghurt mit Obst und Haferflocken. Da ich ein Süß-Junkie bin, habe ich mir für den Heißhunger folgendes überlegt: Ich habe eine Form für Mini-Eis, hier Fülle ich pürierte Früchte mit Joghurt ein, das kommt für ein paar Stunden in den Gefrierschrank und ist gerade jetzt im Sommer mega erfrischend – und stillt meinen Hunger auf Süßes!

Auch ohne Ernährungswissenschaften studiert zu haben, ist mir bewusst, dass ich mich ziemlich beschissen ernähre. Ich liebe alles, was entweder mit Schokolade überzogen, mit Käse überbacken oder mit Zucker durchtränkt ist. In den letzten Tagen habe ich aber auch wieder die Liebe zu Müsli-Bowls (wie es jetzt in Influencer-Jargon heißt), Omelett, frischen Früchte (besonders jetzt zur Erdbeerzeit!) und Joghurt oder körnigem Frischkäse wiederentdeckt.

Und so habe ich in der letzten Woche bereits über ein Kilogramm abgenommen. Ich schätze mal, das liegt eher daran, dass ich weitestgehend auf Kohlenhydrate verzichte. Diese binden nämlich Wasser, was einen zusätzlich schwerer macht. Dieses erste Kilogramm wird also aller Wahrscheinlichkeit nach nur Wasser gewesen sein. Aber es ist ein Anfang. So muss es weitergehen.

Achja – und meinem Rücken tut das viele Spazieren Gehen sehr gut! In den letzten 9 Tagen habe ich sage und schreibe 95,26 km zurück gelegt! Mal bin ich über 10 km an einem Stück gewandert und mal hab ich 3 Etappen dafür gebraucht. Hier und da verbinde ich das Spazieren auch mit dem Besuch beim Physiotherapeuten oder mit einem kurzen Einkauf.

Mal sehen, was ich in insgesamt 30 Tagen bis zu meinem Geburtstag schaffe.

Wie geht’s weiter?

Die letzten Tage habe ich mich viel ausgeruht, viel gelegen und Serien geguckt. Zu Beginn hat mir das gut geholfen. Ich habe auch fleißig meine Übungen gemacht. Von den verschriebenen Tabletten habe ich nur ein einziges mal eine der Tilidin Tabletten vorm Schlafengehen genommen. Als ich gerade dabei war wegzuschlummern, merkte ich plötzlich, wie mein gesamter Körper anfing zu kribbeln und ich hatte das Gefühl abzuheben. Eigentlich wollte ich durch die Einnahme dieser Tablette erreichen, dass ich mal eine Nacht ohne Schmerzen bei jeder Bewegung haben würde, jedoch hat mir die Wirkung dieser Tablette solch eine Angst eingejagt, dass ich danach dann nur noch bei Ibuprofen geblieben bin. Novaminsulfon hilft mir persönlich nicht und ich bekomme nur Durchfall davon.

Anfangs hat mir das viele Rumliegen also noch geholfen. Ich habe immer mal wieder versucht, mit Henning spazieren zu gehen, hab es aber nie weit geschafft. Am Samstag hab ich es jedoch zu fantastischen 1,75 km gebracht! Danach war ich allerdings auch ziemlich fertig. Sonntags fühlte sich mein Rücken etwas entspannter an, aber als ich Montagnachmittags zur Physio ging, hatte ich schon wieder Schmerzen. Mein Physiotherapeut hat mir dann empfohlen, nicht nur auf der faulen Haut zu liegen, sondern möglichst viel Abwechslung in den Tag zu bringen, immer mal wieder rumzulaufen, meine Übungen machen und wieder ausruhen.

Am gleichen Abend bin ich noch losgezogen und hab fast 4 km ohne Probleme geschafft. Auch nach diesem Spaziergang war ich ziemlich fertig, aber am nächsten Tag ging es mir besser. Dienstag war ich viel unterwegs. Ich bin zu meiner Arbeitsstelle gefahren, hab meine Krankmeldung abgegeben und habe noch einiges mit den Vorgesetzten besprochen. Ich bin erstmal bis zum 19.6. krank geschrieben und habe danach drei Wochen Urlaub. Meine Hoffnung ist, dass ich danach wieder arbeiten gehen kann. Jedoch darf ich dann nichts heben und mich nicht bücken, ich soll nicht ununterbrochen sitzen und mich hin und wieder bewegen, meine Übungen machen. Es wird sich zeigen, ob das alles so funktioniert, wie ich mir das erhoffe.

Am Mittwoch (10.6.) bin ich noch einmal knapp 4 km spazieren gegangen und am Donnerstag (11.6.) schon fast 5 km. Samstags hatte meine Nichte Geburtstag und ich hab fleißig gebacken und Geschenke besorgt.

Am Sonntag (14.6.) hatte mich dann der Ehrgeiz gepackt, da ich in den letzten Tagen nahezu schmerzfrei war. Ich brauche nicht mal mehr Ibuprofen zu schlucken, außer hier und da mal eine vor dem Schlafengehen. Also sind Henning und ich sonntags wandern gegangen. Fast 10 km. Unterwegs haben wir eine Pause gemacht und ich hab sogar auf meinem Kochen ein Mittagessen gekocht, nur um mir zu beweisen, dass ich es noch kann und dass der Traum vom PCT gar nicht so zerplatzt ist, wie ich es vor zwei Wochen noch dachte! Allerdings war ich nach dieser Wanderung natürlich total erledigt. Trotz Pause.

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